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Brief an den Redakteur Hechler, der f?r Report aus Mainz einen Beitrag zum sogenannten Barebacking unter Schwulen erstellt hat.


Lieber Herr Hechler,

soeben habe ich im www. Ihren Beitrag zum sogenannten barebacking unter den Schwulen gesehen und mich spontan dazu entschieden, Ihnen ein paar Zeilen zum Thema zukommen zu lassen ? quasi unter Berufskollegen.
Zun?chst m?chte ich anmerken, dass der Beitrag durchaus gut ist und seine Richtigkeit hat. Allerdings gibt es doch ein paar ?Aber?, zu denen ich gerne Stellung beziehen m?chte.

- Das Ansteigen der HIV-Infektionen um ?ber 30% ist nicht nur allein den Schwulen zu verdanken, auch wenn sie die Mehrheit bilden. Was im Beitrag fehlt ist der Bezug zu den Heten, die nach wie vor mit HIV nichts am Hut haben und sich zum gr??ten Teil eben nicht sch?tzen. Es gibt zwar keine Bareback-Parties (zumindest nicht offiziell), aber Swinger Clubs erf?llen so ziemlich denselben Zweck. Dort wird auch nicht darauf geachtet (wie auch?) dass wirklich jeder ein Kondom benutzt. Noch schlimmer ist es, wenn man sich die Jugendlichen von heute anschaut. Die haben nach wie vor keine Ahnung. Das wird Ihnen jeder Streetworker best?tigen, der in Schulen unterwegs ist. Somit wird der Beitrag leider folgenden Nebeneffekt haben:
Die Schwulen werden wieder mal als die Virenschleudern der Nation dargestellt und in ein Licht ger?ckt, das den meisten Schwulen nicht gerecht wird, denn aktive Barebacker sind zwar im ?berma? vorhanden, aber lange nicht die Mehrheit.

- Wie im Beitrag von der Deutschen Aids-Hilfe geschildert, halte auch ich nichts von Verboten, denn die Menschen sind alt genug, um zu wissen was sie tun. Und das ist auch einer der Knackpunkte. Jungs die auf eine Bareback-Party gehen, wissen was dort geschieht und sind sich der Gefahren bewusst. Dass bereits infizierte Personen dem Barback-Kult fr?hnen kann bei n?chterner Betrachtungsweise nicht verurteilt werden. ?Was habe ich schon noch zu verlieren? ist ein Gedanke, der sich jedem aufdr?ngen mag, der krank wird. Ich teile diese Betrachtungsweise zwar nicht, denn es gibt jede Menge was man verlieren kann. Hier w?re allerdings auch eine Aufkl?rung von N?ten, die begreiflich macht, dass es eben Mehrfachinfektionen gibt, dass Resistenzen aufgebaut werden und jede Menge weiterer Krankheiten ein angegriffenes Immunsystem ?belst sch?digen k?nnen. Dem sind sich viele nicht bewusst ? anderen ist es egal, denn Ihre Zeit ist sowieso begrenzt ? also gilt es eben nur noch Spa? zu haben. Kann man ein solches Denken als gesunde Person verurteilen? Ich denke nicht, denn wenn man selber krank wird, sieht die Welt eben anders aus. Und Fakt ist: Zum Barebacking geh?ren zwei und es wird niemand gezungen. Allerdings gibt es in der Szene immer wieder folgenden Satz, der auch f?r mich sehr erschreckend ist:
?Also wenn er krank w?re, w?rde er mich doch sch?tzen!? und in der Umkehrung h?rt man dann. ?Also wenn er gesund ist, brauchen wir ja keinen Gummi?. Dieses Denken findet meistens im heimischen Bett statt und die meisten haben mit der Bareback-Szene nicht wirklich was am Hut. Sondern es ist das Unwissen, die Ignoranz und leider oft auch die romantische Atmosph?re, die jegliches logisches Denken ausschaltet.

- Ein weiterer Punkt ist, und da m?sste die Aufkl?rung ansetzen, dass die jugendlichen Schwulen von heute niemanden mehr sterben sehen. Es geht doch allen gut und wir sind nur noch von Pillenfressern umgeben, die blendend aussehen und sich um nichts mehr Sorgen machen m?ssen. Dass irgendwann die Leber und die Nieren schlapp machen, scheint nicht zu interessieren bzw. wissen es die jungen Leute einfach auch nicht. Und was es bedeutet jeden Tag zu festen Zeiten Pillen nehmen zu m?ssen, kann niemand wirklich nachvollziehen. Das ist eines der gr??ten Probleme. Meine Altersstufe (39) war 18 als der Virus bekannt wurde. Als ich Jahre sp?ter nach Berlin kam, starben die Menschen wie die Fliegen und herzerweichende Filme wie Philadelphia r?ttelten nur kurzfristig auf. Damals hat man den Leuten angesehen ob sie krank sind oder nicht (zumindest in einem gewissen Stadium der Krankheit). Wer mehrere Freunde zu Grabe getragen hat, der sch?tzt sich heute, bzw. versucht es. Das ist ein Faktor, der heute nicht mehr da ist. Wir haben eine Zeitgeistkultur in der es immer nur noch darum geht mehr Spa? zu haben. Der Alltag ist hart genug mit schlechten Jobaussichten, wenig Geld in der Tasche und einer Politik die nicht funktioniert. Was bleibt sind geile Parties mit vielen Drogen und noch mehr Sex. Und wenn ich krank werde, dann fress ich halt ein paar Pillen ist doch egal ? so das Denken von vielen.

- Also vor ein paar Monaten in New York ein sogenannter Superkiller-HIV-Virus aufgetaucht ist, hat sich die Aidshilfe in weiten Teilen Europas und den USA sogar gefreut, weil etwas da war, das die Schwulen aufhorchen lies und Angst und Schrecken verbreitet hat. So zynisch es klingt aber es scheint, dass nur ein solches Ereignis hilft, den Leuten den Kopf zu waschen. Unabh?ngig ob sie Schwul oder Hetero sind. In den kommenden Jahren werden sich weltweit mehr als 20 Millionen Menschen neu infiziert haben. Was getan werden muss ist aufzuzeigen, was das bedeutet in all seinen Konsequenzen und mit drastischen Mitteln. Die Aidshilfe hat Recht, wenn sie sagt, dass Verbote nicht helfen, weil es das Bewusstsein nicht ?ndert und die Parties im privaten Rahmen statt finden und das sind viel viel mehr, als die paar Clubs in Berlin und anderen St?dten. Wir brauchen eine Aufkl?rungskampagne die nicht mehr unterscheidet zwischen Schwulen und Heten, sondern den Leuten drastisch vor Augen f?hrt, was HIV nach wie vor bedeutet.

- Ihr Beitrag ist im Ansatz vielleicht richtig und es gibt nichts zu meckern, aber er erreicht leider nicht die Menschen die er ansprechen sollte sondern gibt den Hetros wieder Nahrung und schiebt die Schwulen in eine Ecke, wo die meisten nicht hin geh?ren. Ich w?rde mich freuen, wenn es gel?nge eine Aufkl?rung zu starten, die am Bewusstsein r?ttelt. Dazu w?ren auch ?unser? Auftraggeber das TV gefragt. Und vielleicht fragen Sie sich mal mit gesundem Menschenverstand wieviele negative Schwule auf eine Barebackparty gehen. Machen Sie doch mal einen Beitrag ?ber die ganzen Gest?rten, die sich absichtlich anstecken wollen und ?ber all die Bisexuellen, die bewusst auf safer Sex verzichten, um Tags darauf wieder mit Mutti in die Kiste zu h?pfen, die sich sicherlich schwer wundern w?rde, wenn der langj?hrige Gatte einen Gummi benutzen will. ...... Sie suchen Sensationen? - dann suchen Sie bei den Heten und Sie werden ihr blaues Wunder erleben! Vielleicht sehen Sie auch irgendwann die Sensation darin, dass die Pharmaindustrie Millionen von Menschen mit HIV einfach verrecken l??t, weil nicht genug Bares flie?t. Sie sollten Anfangen richtig zu recherchieren und nicht ein paar Jungs verurteilen, die mit ihren Parties per se schon zum Ausdruck bringen, dass sie positiv sind und unter einander Spa? haben. Fragen Sie mal Ihre Freundin oder Ihre Frau, wie oft sie mit anderen Gummis benutzt hat - ich sch?tze es wird eine interessante Antwort geben. Und wie oft haben Sie selbst gefragt: Du nimmst doch die Pille? oder gar doch "Wir nehmen doch auf jeden Fall nen Gummi oder?".


5.12.05 20:42
 



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