herrnilson
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Gekaufter? Auto-Bild Journalist

?.wie geil??da versucht unser weltbester Autobauer Daimler unter dem Slogan ?Unsere Vision: das unfallfreie Fahren? ein Radarsystem in der neuen S-Klasse vor Journalisten zu etablieren und der Testfahrer rast voll in das Hindernis. Haha?kreisch??.also, genauer war das so:

Demnach soll ein Radarger?t den Fahrer bei Dunkelheit oder Nebel vor einem Hindernis warnen, lange bevor es der Fahrer sehen kann. Es folgt ein Alarmsignal, der Fahrer soll bremsen und das hoch technisierte Bremssystem verst?rkt die Bremskraft, unabh?ngig vom eigentlichen Bremsdruck, so dass das Fahrzeug tats?chlich rechtzeitig zum stehen kommt.
So weit so gut. Technik die begeistert, Technik die auch sicherlich in den meisten F?llen funktioniert. Vor allem dann, wenn sie Journalisten vorgef?hrt werden soll; in diesem Fall einem TV-Team von stern-TV. Folglich wurde der Nobelschlitten in einer Crashhalle des Autobauers aufgestellt und in entsprechender Entfernung waberte eine Nebelwand, hinter der sich ein weiteres Fahrzeug befand. Der Fahrer des Testfahrzeugs: Michael Specht, Chefreporter der "Auto-Bild". Von stern-TV entsprechend verkabelt l?sst er sich den Testablauf nochmals erkl?ren. Der Tempomat ist auf 55 Stundenkilometer eingestellt, er kann Vollgas geben, das Auto pendelt sich dann ein. Wenn der Warnton kommt, sofort bremsen, den Rest macht der Computer etc etc.
Herr Specht startet schlie?lich den Wagen, gibt Vollgas, rauscht in die Nebelwand und kracht frontal gegen das im Nebel abgestellte Fahrzeug. Ein Warnsignal war nicht zu h?ren, daf?r etliche Male das Wort ?Schei?e?. Darauf folgen minutenlange Gespr?che der Verantwortlichen mit dem Chefredakteur der Auto-Bild. ?Warum hat es nicht funktioniert? Was ist passiert?? Herr Specht sagt, dass es keinen Signalton gegeben h?tte. Derweil l?uft die Kamera und das Mikrofon noch immer mit. Stern TV zeichnet flei?ig auf. Es geht hin und her, schlie?lich beschlie?t man den Test noch einmal zu machen. Michael Specht gibt ein Interview und behauptet dreist, dass er zu sp?t gebremst h?tte. Eine glatte L?ge, wie das aufgezeichnete Gespr?ch und die Bilder des Chrashtests beweisen. Das stern-TV Team fragt schlie?lich nach, ob es beim n?chsten Test mitfahren kann. Die Techniker beratschlagen sich kurz und sagen zu. Als sich der Fernsehredakteur zum Kamerateam wendet, spricht der Auto-Bild Chefreporter zum Daimler-Team: ?Aber wenn die jetzt mitfahren, dann werden sie h?ren, dass es keinen Siganlton gibt und das Ger?t nicht funktioniert.? Dem TV-Team wird darauf hin doch nicht gestattet mit zu fahren. Offiziell sagt man, dass es aus Sicherheitsgr?nden nicht m?glich sei.
Chefreporter Specht bekommt ab diesem Moment genaue Instruktionen. Er soll ab einer bestimmten Markierung bremsen. Niemand denkt mehr an das Mikrofon und die laufende Kamera. Mehrmals wird der Test vorgef?hrt und oh Wunder, es funktioniert alles. Stolz sind die Techniker, stolz auch der Chefreporter von Autobild. Die Kameras und die Mikrofone entlarven ihn als L?gner.
Die gesamte Situation wird im Studio von stern TV nochmals vorgef?hrt. Herr Jauch stellt bohrende Fragen, der Verantwortliche von Daimler erkl?rt, dass das Radar in der Halle nicht richtig funktioniert, weil zu viele Fremdteile rum stehen. Versichert immer wieder, dass es ansonsten aber funktioniert. Das glaube ich dem Herrn sogar. Doch warum lehnt Auto-Bild eine Einladung von stern-TV ab? Und warum wurde das Thema Journalist und Daimler komplett tot geschwiegen? Nat?rlich ist die Frage nur rethorisch, wir wissen schlie?lich alle, welche Schei?e dampft und wie sie richt.
Ein Chefreporter von Autobild arbeitet hier Hand in Hand mit den Autobauern, bel?gt seine Berufskollegen und macht sich bewusst und willentlich zum Werkzeug des Konzerns. Was hat er wohl daf?r bekommen? Es ist schon lange bekannt, dass viele Autojournalisten einen Traumberuf haben. Da werden die Herren gerne mal nach Nizza eingeladen und d?rfen dort eine Woche lang einen Traumwagen fahren. Sie logieren in den besten H?usern, danach schreiben sie dann einen Artikel ?bers gefahrene Fahrzeug. Die fallen auch meistens sehr objektiv aus ? doch wie dieses Beispiel zeigt, sicherlich nicht immer.
Gekaufter Journalismus ist Gang und Gebe. Da werden Redaktionen von Reportern scheinbar objektive Geschichten angeboten und Unternehmen bezahlen ganz gerne mal, dass Ihr Name in positivem Zusammenhang auch tats?chlich darin vorkommt. Man kann die geneigte Leserschaft also nur davor warnen entsprechenden Testberichten zu vertrauen. Sicherlich gibt es auch in anderen Bereichen schwarze Schafe und ich w?rde meine Hand f?r keinen Testbericht ins Feuer legen. Auch im Fernsehen nicht. Auch in meinem Berufsleben gab es Momente wo ?so genannte Tests? an Sat1 oder RTL abgeliefert wurden, die alles andere als sauber waren. Das Wort des Produzenten gen?gte und ist dieser nur lange genug dabei, kann er sich auch fast alles erlauben. Und warum? Mit den besten Absichten hat man einen Test angeboten, von den Erfolgsaussichten ?berzeugt. Die Redaktion bestellt den Test und es gibt eine Deadline. Liefert man nicht ab, geht ein Auftrag und damit viel Geld verloren. Klappt der Test gar nicht k?nnte es peinlich werden und man verdient ebenfalls nichts. Das will der eine oder andere Produzent nat?rlich vermeiden. Also werden schon mal Freunde angerufen, die nachts ein Auto auseinander bauen m?ssen oder ein anderer m?ge doch bitte mal schnell um die Ecke fahren und eine bestimmte Tramperin mitnehmen, die versteckte Kamera nat?rlich immer mit dabei?und und und.
Die Medienwelt ist einfach zum kotzen und es wird immer schlimmer. Richtigen Journalismus bekommt man nur noch selten zu sehen. Politische Magazine werden mundtot gemacht. Kirchenv?ter sitzen in den Gremien und bestimmen was gut f?rs Volk ist und zahlende Sponsoren sind eben mehr wert als das t?gliche Unrecht. . Chefredakteure verkaufen Sendezeiten unter der Hand, andere sorgen daf?r dass der Lieblingskaugummi st?ndig im Bild ist, der n?chste versichert, dass nur die Kumpels Auftr?ge bekommen, wieder andere schreiben f?r ein Massenblatt und stellen sich nicht mal Ihrer Verantwortung, wenn sie beim L?gen erwischt werden. Ein PR-Journalist zu sein ist durchaus ok, auch wenn sich diese beiden Begrifflichkeiten bei?en. Aber mit offenkundiger Dummheit auch noch so dreist zu l?gen l?sst den tats?chlichen Journalisten erschauern und die Leser eines solchen Blattes sollten sich wirklich ?berlegen, welche Qualit?tsma?st?be ihr Medium vertritt. Und TV-Zuschauer sollten sich genau ?berlegen wann sie wem zuh?ren, bzw. zuschauen
Autobild w?re ?brigens gut beraten ihren Chefreporter Specht vor die T?r zu setzten, gibt es doch Tausende an arbeitslose Journalisten, denen ehrliches Handwerk mehr wert ist als eine goldene Nase.


24.11.05 - Nachtrag
.....wie die Chefredaktion von Autobild in der stern TV Sendung vom 23.11.05 mitteilte, wurde Herr Specht entlassen. ... und das ist gut so.

17.11.05 17:03
 



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