herrnilson
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Reise zur Titanic

3.11.2002 ? St. Johns Neufundland - auf dem Weg zur Titanic

Gr??e aus der nicht enden wollenden Einsamkeit, hoch im Norden: Neufundland. Es ist das Ende der Welt, Parkplatz der Einsamkeit und Schmelztiegel verheirateter M?nner, die mangels weiblicher Masse auch mal auf der Suche nach anderen Jungs sind, Land der B?ume und Seen, Puffin Birds, Elchburgers, bunten H?uschen und wenig attraktiven aber sehr warmherzigen Menschen.
Ich bin ja hier, um ein Forschungsschiff zur Titanic zu begleiten. Hurra meine erster richtiger Dokumentarfilm. Ich bin nicht nur sehr gespannt, sonder auch sehr aufgeregt. Wer kommt da schon mal hin und mal sehen, wie der Kahn tats?chlich aussieht. Aber bis es soweit ist, werden mit Sicherheit noch ein paar Wochen ins Land gehen.
Seit einer Woche liegen wir nun im Hafen von St. Johns. Gott ist das ?de hier. Als wir hier im wundersch?nen Naturhafen ankamen, war ich ja echt entz?ckt. St?rmische See, heftige Winde, bunte H?uschen, welche die Bucht umringen. Doch mittlerweile bin ich schon gefrustet. Es gibt hier wirklich nichts was man tun kann. Ab 21 Uhr ist hier tote Hose. Aber und das glaubt man kaum: Es gibt tats?chlich einen schwulen Club. Aber darauf komme ich sp?ter nochmals zu sprechen.
Jedenfalls h?ngen wir jetzt seit einer Woche im Hafen rum und warten auf ein Ersatzteil. W?hrend einer Probetauchfahrt ist der Transponder des Tauchroboters verstorben. Es dauert mehr als drei Wochen bis so ein Ding wieder aufgetrieben ist. Doch irgendwie hat es Graham, der Expeditionsleiter geschafft, das Ding in drei Tagen zu organisieren. Seit zwei Tagen wird am Roboter rumgeschraubt und nun ist das Wetter wieder schlecht. Das Wetter ? unser gro?er Feind. Morgens kann es hier strahlend blauen Himmel geben und zwei Stunden sp?ter versinken wir fast im Schnee und abends regnet es dann wieder. Also warten wir auf ein Wetterfenster, das es uns erlaubt los zu fahren und zu tauchen. Immerhin sind es 4 Tagesfahrten bis zur Titanic. Wo sich das Wrack genau befindet ist ja ein streng geh?tetes Geheimnis und die ?ffentlich zug?nglichen Koordinaten stimmen mit der Tats?chlichen Lage nicht wirklich ?berein. Immerhin soll das Wrack nicht von jedem gepl?ndert werden k?nnen. Aber wenn das Wetter so weiter macht, werden wir leider nie ankommen. Zum Kotzen sag ich Euch und ich hasse dieses Klima aus der Tiefe meines Herzens heraus. Allerdings ist es auf See, sehr viel angenehmer. H?tte ich ja nie gedacht. Ich k?nnte ja mit der nassen K?lte umgehen, wenn ich eine Bade3wanne h?tte. Aber ich liege zusammen mit meinem Kameramann unterhalb des Meeresspiegels in einer 5 Quadratmeterbuchte, klotze auf vorbeischwimmende Coladosen und muss warten bis ich mitten in der Nacht duschen kann, denn nur dann gibt es gen?gend hei?es Wasser. Tags?ber stehen wir ja laufend rum ? mit der Kamera im Anschlag, denn es k?nnte ja was Spannendes passieren. Aber weder auf der 75 Meter langen Northern Horizon passiert was, noch in St. Johns. Dieses verschlafene und zun?chst sehr malerische Dorf ? Stadt kann man das ja nicht nennen ? besticht wirklich durch nichts, als seinen optischen Eindruck. Hier ist die Fischindustrie zu Hause. Es ist so ein wenig wie die Szenen im Film ?The storm?. Doch auch hier k?mpfen die Menschen um ihre Jobs. Sehr viele sind arbeitslos geworden und haben wirklich nicht genug Geld in den Taschen. Ich habe aufgeh?rt zu z?hlen, wie oft ich am Tag nach Zigaretten oder auch mal nach nem Dollar gefragt werde. Doch egal wie arm die Leute sind, sie sind allesamt super nett. Doch Zigaretten kosten hier 10 Dollar. Das ist ein Haufen Holz f?r ein wenig Tabak. Auf den Packungen sind ?brigens Bildchen aufgedruckt, die einem das Rauchen tats?chlich schwer verleiden. Da schaut man in einen schwarz vermoderten Mund mit ekelhaften Bei?ern und drunter der Spruch: Rauchen verursacht Mundkrankheiten. Ich sags Euch ? es kann einem wirklich vergehen. Nach dem Rauchen schreit dein K?rper nach einer Zahnb?rste und deine Seele bettelt um Mundwasser. Zwischenzeitlich tausche ich die Packungen aus, weil es echt nicht zu ertragen ist. Besonders beim Essen. Wenn die Packung auf dem Tisch liegt, kriecht die Mundf?ule f?rmlich ?ber dein Steak. N? Du, das macht keinen Spa?.
Apropo Essen, eine Spezialit?t des Landes sind ja frittierte Cod fish-Zungen. Ja richtig geh?rt. Die Jungs hier reissen unschuldigen Fischen die Zungen aus den zuckenden Leibern, um sie zu panieren und zu frittieren. Schmeckt ja nicht schlecht aber besonders ist es nicht wirklich. Nat?rlich gibt es Ger?chte, dass die Zungen gut f?r den Trieb seien aber ehrlich gesagt, ich h?tte mehr davon wenn sie noch lecken k?nnten. Ein weiteres Gericht hier ist: Gigs Dinner. Das habe ich vor zwei Tagen bei einem privaten Abendessen bekommen. Gigs Dinner ist Rindfleisch, das in Salzwasser gekocht ist. Aus irgendeinem Grund wird es richtig tiefrot dabei. Dazu gibt es Erbsenbrei und Kartoffeln. Vom Geschmack her?well, Americans would say: It?s diffrent. Es ist schon sehr gew?hnungsbed?rftig und weder gebratene Zungen noch k?chelnde Rinder werden mein Herz auf Dauer begeistern. Aber es schmeckt nat?rlich hundert Mal besser als der Fra?, den unser polnischer Koch auf dem Schiff kreiert. Also so schlecht habe ich ja im Leben noch nicht gegessen und am liebsten w?rde ich ihn schon morgens schlagen wollen. Also den braucht kein Mensch und man sollte ihn ?ber Bord schmei?en. Ich habe jetzt schon 2 kg zugenommen, weil ich st?ndig fettiges Zeug essen muss. Und dabei hat man so einen Hunger, wenn man den ganzen Tag auf dem Meer ist. ..heul. Habt ihr jemals polnische Pizza gegessen? Tut es nicht!
Sehr lustig ist ja, dass ich nach nur einer Woche in der ganzen Stadt bekannt bin. Ja ja so kennt man mich. ..grins?..nein, es ist wirklich so am?sant. Wir sind ja an Halloween hier angekommen. In der Stadt tobte eine mega Party. Rockbands und verkleidete Menschen haben sich im Kollektiv die Kante gegeben. Nachdem dann mein Kameramann aufgab, bin ich weiter in den einzigen schwulen Club den es hier gibt. Nat?rlich auch ne Holzbaracke. Gef?llt mit vielen Herren die ihr Brot auf Booten verdienen. ?I was the Star?..Frischfleisch halt. Jedenfalls hatte ich durchaus meinen Spa? und mich mit sehr vielen Leuten unterhalten. Bis ich von einer Frau gefragt wurde, ob ich mich nicht mit ihrem Kumpel unterhalten k?nnte, der mich so nett findet und sich nicht traut. Ich drehe mich um und sehe Scooby Doo. Ich wusste nicht ob ich ihn anbellen sollte jedenfalls habe ich mich fast am Bier verschluckt. Unter den Pl?schklamotten versteckte sich ein junger Mann ? jenseits meines Geschmackes ? aber ein toller Kerl. Wir hatten so viel Spa? und ich wurde so vielen Leuten vorgestellt. Wann immer ich jetzt irgend wo hin komme hei?t es: Bist du nicht der Kumpel von Glenn? ?und schwupps bezahle ich weder Eintritt noch Bier. Klasse! Glenn war es auch, der mich zu den privaten Dinners mitgenommen hat und wodurch ich richtig viel von den Leuten und dem Leben hier erfahren habe. Ich war auch bei einem anderen Schwulen Paar die geheiratet haben. Dort musste ich mir alle Fotoalben anschauen und mich schwer anbaggern lassen. Sehr lustig.
Aber einer der Gr?nde, warum mich auch der Rest der Stadt kennt war ein ?ffentliches Ritual zu dem mich Glenn gezwungen hat. In einer Art Trapperkneipe, brechend voll musste ich mit Trapperm?tze vor dem Wirt Aufstellung zum ?Squeeze in? nehmen und dem Wirt ein Haufen Zeug nachsprechen, das ich beim besten Willen weder verstanden noch so schnell nachsprechen konnte. Er musste jeden Satz 10 Mal wiederholen bis ich ihn nachsprechen konnte. Das Publikum war w?hrend dieser Zeit mucksm?uschenstill, was es mir nat?rlich noch peinlicher machte. An einem bestimmten Punkt holte der Wirt einen Puffin Bird (Nationalsymbol) aus Holz raus und sagte: ?Bevor ich dich jetzt mit meinem Schwert zu einem ehrenvollen Mitglied Neufundlands und Labrador machen werde, musst Du diesen Vogel k?ssen. Have you ever kissed a bird? ? Also ich erinnert mich an wundervolle Kindertage wo ich nat?rlich meinen Wellensittich schon mal gek?sst hatte und sagte: ?Of corse i did!? Es dauerte ca. eine Sekunde bis der Wirt in sich zusammen brach, Glenn knallrot losprustete und die Kneipe vor lauter Lachen aller G?ste kollabierte. Es dauerte einige Minuten bis mir Glenn verraten konnte, dass auf Neufundland der Satz: ?Have you kissed a bird? ? gleichbedeutend mit: ?Hast Du ihm einen geblasen.? ist. ?.. also mit etwas Verz?gerung bin ich dann zum B?rger von Neufundland und Labrador geschlagen worden 





???????.. einen Tag sp?ter ging es los und das Schiff legte f?r immer ab. Die Reise ging zur Titanic, die wir auch gefunden haben. Immer wieder mussten wir s?mtliche Tauchg?nge unterbrechen, weil entweder die Elektronik kaputt ging oder das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung machte. Wenn ein Tauchroboter an einem ?ber 4000 Meter langem Seil h?ngt und wir da oben nur 2 cm hin und her schaukeln, sind das auf dem Meeresgrund, am anderen Ende des Seils sehr viele Meter. Der Roboter kann in das Wrack einschlagen und viel zerst?ren. Klar, dass er dabei auch selbst kaputt gehen kann. Also hie? es immer wieder aufh?ren, warten und Stunden sp?ter weiter machen. Das ging so lange, bis die Telemetrie am Tauchk?fig versagte und wir nicht mehr in der Lage waren den Tauchroboter in seinen K?fig zur?ck zu fahren. Der Kampf mit der Natur und der Technik dauerte fast 8 Stunden, dann hatten wir es geschafft und das Ding war drin. Zwischenzeitlich tobte das Meer und die Northern Horizon senkte und hob sich f?r mehrere Meter. Fast unm?glich ein 15 Tonnen schweres Ger?t wieder an Bord zu holen. Der Boden ist glatt, keiner der Mannschaft hat Halt. Es ist saugef?hrlich. Doch wir haben es geschafft, wenn auch mit gro?en Verlusten. Schwer besch?digt konnten wir unseren Roboter wieder aufs Boot heben, doch die Mission war erst mal zu Ende. Wir packten unseren Kram zusammen und schipperten erst mal auf die Bermuda Inseln. Dort ist es zumindest warm und trocken. Also viel bessere Bedingungen als in Neufundland. Die n?chsten Wochen tat sich nichts. Ich fuhr den ganzen Tag die Insel mit einem gemieteten Roller auf und ab, w?hrend die Mannschaft versuchte den Roboter zu reparieren. Zwischenzeitlich wurde auch das Geld knapp. Nach fast zwei Monaten waren runde 80 Millionen Dollar aufgebraucht und neue Sponsoren nicht mehr zu finden. Also packten wir alles zusammen und fuhren mit dem Schiff nach Liverpool. Es war meine erste ?berquerung des Atlantiks ? ruhig und langweilig war es. Dabei fuhr ich nur, um schwerste St?rme zu erleben. Naja, das n?chste mal vielleicht. Am 25. Dezember 2002 war ich wieder zu Hause und hatte festen Boden unter den F??en.
....... naja - vielleicht sollte ich noch erw?hnen, dass w?hrend dieser Zeit mein Leben komplett den Bach runter ging und ich zu Hause angekommen vor dem Nichts stand.





10.10.05 22:41
 



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