herrnilson
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Natur pur

Natur pur

Als noch relativer ?Neuhesse? ist es ja immer wieder spannend die neue Heimat zu erkunden. Nicht nur aus diesem Grund habe ich mich also auf gemacht, um auf dem sch?nen Fl?sschen Lahn die Paddel zu schwingen und zu sehen, was die Natur so hergibt. Eigentlich ein wirklich tolles Erlebnis und ich bin immer wieder ?berrascht, wie sch?n Hessens Natur ist bzw. sein kann.
Kurz nach 11 Uhr morgens setzten wir uns also in das Kanu, schaukelten die ersten Meter noch etwas unbeholfen von einer auf die andere Seite und k?mpften mit der Str?mung. Nach einer Weile ist es aber ganz gut gegangen und auf 25 Kilometer sieht man doch erstaunlich viel. Vorbei an Wiesen, W?ldern, kleinen Bergen mit verspielten Burgen drauf und jeder Menge bunter Blumen am Weges- ach falsch Wasserrand. Zwischendrinn musste immer wieder mal heftig zugelangt werden, weil sich pl?tzlich und lautstark kreischende Frauen in ?berladenen Kajaks ank?ndigten. Da gilt es dann im Haurucktempo, auffahren, r?berziehen, ?berholen und schnell weiter paddeln, bis sie au?er Sicht- und vor allem H?rweite sind. Klar, dass man sich nach so einem anstrengenden Tag nichts weiter w?nscht, als ein entspanntes Fleckchen auf nem Campingplatz, am liebsten nat?rlich im Einklang mit der Natur. Als die geplagte Muskulatur anfing laut aufzuschreien, machten wir uns also auf die Suche nach einer Schlafstelle. Der Plan sagte, dass der Campingplatz Limburg nicht mehr weit sei. Irgendwie muss man unter einer Br?cke durchfahren und kurz danach kommt er. Aha?also paddel paddel paddel und boahhhh?da ist sie?..riesig, erhaben, wundersch?n und vermutlich mindestens 100 Meter hoch??.die Br?cke??staunen und ratloses am Kopf kratzen, denn weit und breit kein Zelt. Daf?r aber ein Ger?usch, das immer lauter wird. Das Flaggschiff der deutschen Bahn k?ndigt sich akustisch an und schlie?lich donnert der ICE ?ber das meisterliche Bauwerk und die Stille der Natur zerrei?t es mit einem f?rchterlichen Heulen. Naja, man mag es fast nicht glauben, aber auf der Karte sieht die eigentliche Br?cke noch gr??er aus. War wohl die falsche. Mit einem kr?ftigen ziehen in den Schultern, schnappten wir uns wieder die Paddel und legten los. In der Hoffnung, dass der Zug nicht alle zwei Minuten ?ber die Br?cke donnern wird, schippern wir weiter. Dass die deutsche Br?ckenbaukunst noch gr??er und noch m?chtiger sein kann, er?ffnet sich uns nur wenige Minuten sp?ter. Parallel zur ICE-Trasse bahnt sich die A3 ihren Weg ?ber Stock und Stein, ?ber Berg und Tal. Dass es sich dabei um eine der meist befahrensten Autobahnen handelt, beweist der infernalische L?rm. Wo eben noch zartes Schmetterlingsflattern und das Rascheln bunter Bl?tter im Wind die Ohren t?tschelten und die Seele liebkosten, trieben nun Schwerlasttransporter, Sportwagen und aufheulende Motorr?der den Sound der 2000er durchs gemarterte Gehirn, um sich tief in den Hirnwindungen zu verankern und zu akkustischen Kr?mpfen der Superlative zu werden. Es donnert, es poltert, wir schreien uns auf unserem Kanu schon fast an und da sehen wir sie, die ersten gl?cklichen Camper im gew?lbten Feinripp, wie sie die letzten Sonnenstrahlen des fr?hen Herbstes genie?en. So harmonsich ???..broaaaaaaammmm??????.wie sich die Natur und die verspielten Wohnw?gelchen geben, so herzlich ist auch die Begr??ung: ?He, k?nnt ihr nicht lesen? Habt ihr dieses Schild nicht gelesen? Da steht es doch! Hier k?nnt ihr nicht halten! Die Anlegestelle f?r Kanus ist 200 Meter weiter unten!?
Ich schaue in die Entfernung und sehe leider keinen Unterschied. Auf die Frage welcher Idiot eigentlich einen Campingplatz unter eine Autobahnbr?cke baut gibt es nur einen verst?rten Blick. ?Wie, was, warum? Das ist doch sch?n hier! Also wissen Sie, ich wohne in Frankfurt am Flughafenzubringer, das ist viel lauter.? Als er sich umdreht und geht offenbaren sich hinter den Ohrmuscheln neuste Elektronik???..?Der hat es gut? denke ich mir, kann er doch den L?rm einfach abschalten.
Wie paddeln also auch noch die letzten 200 Meter weiter. Vorbei an Begr??ungsschildern ?Hunde sind unbedingt an der Leine zu f?hren!?, oder ?Zutritt f?r Nicht-Campingg?ste nur nach Anmeldung.? ?Zutritt f?r Nichtcamper verboten. Melden Sie sich an der Rezeption? ging es also in Richtung Rezeption. Argw?hnisch beobachten uns dicke Frauen und fettverschmierte Herren, w?hrend unser Hund ungeduldig an der Leine zieht?immer dem Bratenduft hinterher. Und da noch ein Schild: ?Hunde sind unbedingt an der Leine zu halten?. Doch was kommt da um die Ecke? Eine riesige Blutwurst auf d?nnen Beinen??.erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich fr?her mal um einen American Staffort gehandelt haben muss. Er kann kaum noch gehen und st?rzt sich auf unseren armen Waldi??.und dann kommt auch noch ein stinkender ungepflegter Neufundl?nder oder so was um die Ecke, der unser Kind auch noch mit wuchtigen Pranken bedr?ngt. Die Leinenpflicht gilt wohl nicht f?r jedermann und glaubt nicht, dass irgendjemand die verwahrlosten Viecher abgerufen h?tte. Wir betreten also die Rezeption, wo ein debiles Fr?ulein der Wurscht auf d?nnen Beinen deutliche Konkurrenz macht. Meine Satz: ?Eigentlich hatte ich mich ja auf ein ruhiges Wochenende gefreut? wurde mit missbilligenden Blicken, Stirnrunzeln und dem Satz: ?Wollen Sie sich nun eintragen oder nicht?? ?u?erst unfreundlich quittiert. Kein wort des Bedauerns...ja nicht einmal Mitleid kam ?ber ihre Lippen. Mit meiner Antwort musste ich warten, denn nicht genug mit ICE und Autobahn, jenseits der Lahn ? also genau gegen?ber donnerte auf einem anderen Gleis die Transsibirische Eisenbahn vorbei. Minutenlanges quietschen, kreischen, stampfen und poltern. Dazu noch eine Bundesstrasse voller ungeduldiger Autofahrer, die sich hupend und mit heulenden Motoren ihren Weg suchen. Und als ob es nicht wirklich schon genug w?re, kommt auch noch ein Passagierdampfer an die Ecke gefahren, es bl?ckt, es hupt, er wendet..Ansagen..rollen vom Band ?dann ist endlich wieder Ruhe?tatack..tatack?tatack?gut das ist die Autobahnbr?cke..tatack??Wir erfahren, dass die Autobahn zuerst da war und wundern uns noch mehr. Kann man so ignorant und dumm sein? Mit ihren dicken Lippen schiebt sie hinterher, dass es den Platz seit 40 Jahren g?be und sich noch keiner beschwert hat. ?Wie auch, die tragen ja alle H?rger?te?? rutscht es mir heraus.
Nun gut, was sollten wir tun? Das ganze Gep?ck nebst Hund bis in ein Hotel zu schleppen ?berstieg dann doch unsere Kr?fte und unseren Willen. Also rasch auf den Platz und das Beste daraus gemacht. Noch immer treibt es mir die Tr?nen aus den Augen. Gerade als wir den ersten Hering in den weichen Mutterboden schieben bricht ein Ger?usch ?ber uns herein, dass ich weder zu dieser Jahreszeit und erst recht nicht an einem solchen Ort erwartet h?tte. Der Fanfarenzug Hofheim gastierte auf dem Platz und hatte sich vorgenommen jedermann mit seinem K?nnen zu begeistern. Da wurde geblasen und getrommelt was das Zeug h?lt und in Zweierreihe marschierten M?nner, Frauen und dicke Kinder ?ber Platz und spielten Faschingsm?rsche. Die dezibelgeschw?ngerte Luft wurde schwerer und schwerer ? unser Unmut auch. Ist L?rm auf deutschen Campingpl?tzen nicht verboten? Ist unser Land nicht bekannt f?r die miesesten und spie?igsten Haus- und Platzordnungen die es gibt? All das hat sich bis Limburg nicht rumgesprochen. Endlich steht unser Zelt. Passenderweise direkt unter einer Trauerweide. Nun, rasch den Hund genommen und in die Stadt gelaufen, um den Abend wenigstens noch angenehm bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen. Danach ne
Flasche ?ppler hintergekippt - um die M?digkeit zu f?rdern ? die Ohren zu schlie?en und sich den best m?glichsten Tr?umen hingegeben..tatack..tatack?tatack?..
Langsam kroch die N?sse des Morgens ?ber die Auenlandschaft und in unser Zelt. Der Hund mogelt sich mit in den Schlafsack und um Punkt 6.30 Uhr ?.brooooaaaaammmm?..die Transsibirische Eisenbahn ist auf ihrem R?ckweg. ?..broaaaaaaaaaaaaammmm?..Tatack?tatack?.tatack??ah die A3 ist auch schon wach.
?Naja, vergeht ja nach 30 Minuten, in denen man sein eigenes Wort nicht versteht.? und fr?her Vogel f?ngt ja bekanntlich den Wurm. Also ab ins noch jungfr?uliche Camperbad wo wenigstens die Klobecken von Villeroy&Boch sind.. Man staune. Nach so einer erfrischenden Dusche war dann der Zeltabbau auch gar nicht mehr so schlimm, zumal wir auch noch richtig verabschiedet wurden. Damit auch ja niemand ans ausschlafen denkt, zieht der Fanfarenzug Hofheim wieder ?ber den gesamten Campingplatz. Der schlafende Mopp hat keine Chance ? b?se Blicke helfen nichts. Die Posaunenmuttis marschieren weiter, mit fr?hlich inzesti?sem Grinsen folgen dicke Kinder.
Wir verabschieden uns mit dem festen Willen uns nur noch von RTL2 Campingpl?tze empfehlen zu lassen ? da herrscht wenig Zucht und Ordnung. Mit klingelnden Ohren, gefolgt vom monotonen Tatack tatack tatack erreichen wir nach nur 200 Meter Wasserlinie die Schleuse, wo uns ein korpulentes fettverschiertes Feinrippunterhemd anschreit: ?Ich habe jetzt Pause?ihr wartet gef?lligst da hinten. In 30 Minuten geht es weiter.!?



30.9.05 10:58
 



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