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Breaking the ice 1

Reisetagebuch Expedition: breaking-the ice - 1




Reisebeginn 27.12.03

Todm?de stehe ich am Flughafen Tegel in Berlin und frage mich ernsthaft was ich hier eigentlich mache. Mein Handy klingelt in einem fort und entweder es sind noch E-Mails zu besprechen, Ausk?nfte zu erteilen oder meine Freunde rufen mich an, um mir mit Grabesstimme ihre Liebe mitzuteilen und dass ich ja sch?n auf mich aufpassen soll. ?Ja, werde ich und nein mein Lieber, ich werde Dir keinen Stein aus der Antarktis mitbringen?. zu schwer. ?.und jetzt muss ich hier mal Schluss machen, sonst komme ich nie zu Potte ?..Gr??e an die Anderen und ich freue mich auf die erste Party wenn ich wieder zur?ck bin?.mach ich ? versprochen. Tsch?? mein lieber und guten Rutsch ins 2004?.
Ich hoffe, dass ich jetzt alles gekl?rt habe. Zum dritten Mal gehe ich die Papiere durch, die mir heute Morgen aus Frankfurt gemailt worden sind. Da war doch noch was ?. Ich denke nach und komme nicht darauf?.. na ja, mir wird es schon noch einfallen. Den Sicherheitscheck habe ich auch schon hinter mir. Die Sattelitentelefone und der Generator k?nnen ausgeflogen werden. Meine 130 kg ?bergep?ck habe ich auch schon aufgegeben und soll ein Verm?gen daf?r bezahlen. Lufthansa ist so in Not, dass auch f?r den Weltfrieden keine Gelder mehr zu beschaffen sind und Journalisten schon gar nicht mehr unterst?tzt werden k?nnen. Als ich meine Mission vorab in Frankfurt erkl?ren wollte, hat man mich zum Teil ausgelacht und zum Teil auch gar nicht ernst genommen. Nun stand ich wieder da. In der Hand ein paar Briefe von Herrn Kofi Anan, dem Dhalai Lama, von Herrn Thierse und auch vom Vatikan. Ja selbst P. Sherez und Yassir Arafat haben uns Ihren Segen gegeben und mit Briefen ausgestattet auf die Reise geschickt ? und alles Gute und viel Erfolg gew?nscht. Und jetzt stehe ich hier am Schalter von Lufthansa und soll fast 1200 Euro bezahlen f?r 7 Koffer Technik. Kein verst?ndnisvolles L?cheln?.kein ver?ndern wollen des Weltfriedens ?. Ja nicht mal Ehrfurcht l?sst sich in ihren fordernden Augen erkennen. Ich f?rchte die Frau will einfach Kohle sehen oder ich flieg nicht mit. Der Weltfrieden scheint ihr und der Lufthansa ziemlich egal zu sein. Nun denn, fluchend und schimpfend z?cke ich meine sp?rliche Spesenkasse und bezahle??.
Knapp vier Stunden sp?ter stehe ich in Madrid vor ? na ja es muss eine Schwester der Lufthansaangestelltenvon heut morgen sein - nur dass jetzt LanChile auf ihrem Namensschild stehen. Auch in ihren Augen liegt der Fluch des Geldes. Die Briefe eurer Heiligkeit des Papstes und all der anderen wichtigen Menschen dieser Welt, schiebt sie von rechts nach links ? die Wappen und Unterschriften machen sie nicht einmal neugierig. ?You pay ? we don?t know anything from any expedition! What is it? peace mission? No?? no Senior?. You pay!? Aber ich habe es doch vom Papst schriftlich?. die m?ssen doch etwas von dieser Expedition wissen ? so denke ich es mir. Schlie?lich kommt die diensthabende Chefin. Es bewegt sich was ?hoffe ich ?doch dann auch aus ihrem Mund: ?you must pay? ? der Frage nach dem Weltfrieden und dem Sinn meines Daseins begegnet auch sie mit dem kalten Blick des Geldes. Hilfe denke ich mir?.. es muss doch was zu machen sein. Ok, mit Engelszungen und dem Blick von Casanova pers?nlich, rede ich jetzt auf beide Damen ein?.. und dann gibt es doch noch einen Hoffnungsschimmer. Sie will wissen wie viele in der Gruppe reisen und ob die denn viel Gep?ck dabei haben. ?Nein ? so viel Gep?ck wie ich haben die bestimmt nicht? sage ich. Erkl?re dass ich der zust?ndige Journalist bin und ich zuf?llig die Technik mitbringe. Die weiteren 12 Expeditionsteilnehmer erwarten wir in einer Stunde, hier in Madrid, zum Weiterflug nach Santiago de Chile. Ich teile ihr die Namen mit, damit sie in ihrem Computer nachschauen kann. Hurra, vielleicht habe ich ja doch noch Gl?ck. Verteilen wir n?mlich mein ?bergep?ck auf die gesamt Gruppe, dann d?rfte alles kein Problem mehr sein und ich k?nnte unbehelligt und vor allem ohne arm zu werden einsteigen. Doch die eisige Miene meines Gegen?bers belehrte mich schnell eines besseren. Die Chefin hat sich zwischenzeitlich in den Zentralrechner der Airline eingeschaltet und das Gep?ck der Expeditionsteilnehmer ermittelt: Die 12 M?nner und Frauen kommen mit 54 Taschen auf ein Gewicht von ?ber 660 kg. ?YOU MUST PAY ? waren ihren eindeutig letzten Worte und ich konnte nichts weiter tun, als mein letztes und privates Verm?gen dieser resoluten Angestellten in die Hand zu dr?cken und mich an Zeiten zu erinnern, als Journalisten noch etwas Besonderes bei den Airlines waren und ein Brief vom Papst heiliger als dieser selbst war.
Mit 40 Minuten Versp?tung heben wir in Madrid in Richtung Chile ab. Doch noch sind nicht alle Mitglieder anwesend. Vermisst wird Nasser aus Pal?stina. Keiner hat ihn gesehen. Irgend jemand sagt mir, dass er einen Tag sp?ter ankommen wird. In Chile werden wir schlauer sein und hoffentlich mehr wissen.

Runde 36 Reisestunden sp?ter hat unsere Gruppe im Hotel Los Navegantes in Punta Arenas eingecheckt. Unsere franz?sischen Bergf?hrer sind ebenso anwesend, wie der begleitende Arzt aus Israel. Sie kamen mit einer anderen Maschine an und Nasser wird tats?chlich erst morgen kommen. An der Hotelbar werden Namen ausgetauscht, Aufgaben verteilt und hitzig ?ber Zust?ndigkeiten diskutiert. Ein paar Drinks sp?tere macht sich der Gro?teil auf, um essen zu gehen. Das klappt nat?rlich nicht auf Anhieb, denn die Gruppe ist zu gro? und die Geschm?cker f?r den heutigen Abend zu verschieden. Schlie?lich lande ich mit Yarden Fanta der israelischen Uniangestellten ?thiopischer Herkunft, dem Rechtsanwalt Ziad Darwish dessen Cousin die pal?stinensische Verfassung geschrieben hat und Sulaiman Allkhatib, der wegen der Mitgliedschaft in der pal?stinensischen el Fatah Organisation mit 14 Jahren zu 10 Jahren Haft verurteilt worden ist, in einem gem?tlichen kleinen Restaurant. Bei Fischsuppe und Bier fange ich an, mein kl?gliches Wissen ?ber den israelisch-pal?stinensischen Konflikt aufzubessern. Erst jetzt sp?re ich, wie wenig ich eigentlich wei?. Ja nicht einmal den Unterschied zwischen el Fatah und Hamas ist mir bekannt. Es ist zum Verzweifeln. Meine Fragen l?sen allerdings keine Verwunderung aus, sondern regen an. Warum man sich schon so lange Jahre gegenseitig umbringt kann mir niemand so richtig beantworten. Doch pl?tzlich sind wir mitten drin in der Diskussion. Wer hat denn nun den ersten Stein geworfen? War es Israel im 6 Tagekrieg oder sind doch die Pal?stinenser schuld. Keiner wei? es so richtig, doch ?ber eines sind sich alle im Klaren. Wenn es die beiden V?lker nicht schaffen n?her zusammen zu r?cken und Frieden zu schlie?en, dann hat der nahe Osten schlechte Karten. Auf den Stra?en wird Hass gelehrt, erkl?rt mir Ziad Darwish und erz?hlt mir die Geschichte seiner Familie. Seine Familie steht beispielhaft f?r so viele Pal?stinenser im 6-Tage Krieg. Die Juden sind gekommen, haben sie einfach aus ihren H?usern vertrieben und an andere Pl?tze deportiert. Sie durften nichts behalten, nicht zur?ckkommen, sie haben alles verloren. Trotzdem lehrt er seine Kinder nicht zu hassen. Das ist gar nicht so einfach, denn immer wieder fragen die kleinen: Aber mit welchem Recht nimmt Israel uns das Land weg. Auch das, eine Frage, auf der ich sitzen bleibe. Man kann es mir nicht erkl?ren. Die 31j?hrige Yarden erz?hlt von ihrer Vergangenheit. Sie musste ?thiopien verlassen und fl?chtete mit ihrer Familie nach Israel. Auf dem Weg dorthin scheint Einiges passiert zu sein. Sie z?gert noch, mir die gesamte Geschichte zu erz?hlen. Ich belasse es auch dabei, denn wir haben noch jede Menge Zeit. Und ganz pl?tzlich wendet sich das Blatt an unserem Tisch. Gebannt h?rt Ziad den Beiden zu, als Sulaiman von seiner Vergangenheit erz?hlt. Er habe mit allem auf die Israelis geworfen, mit was man werfen kann. Molotowcocktails, Steine ??. da ist noch mehr, ich frage wieder nicht weiter nach, denn Yarden stellt Suleiman eine gewichtige Frage. Sie will wissen, ob er aus heutiger Sicht denkt, dass seine Verhaftung und Verurteilung richtig war. Sulaiman zieht zweimal an seiner Zigarette bevor er antwortet. Damals hat er f?r sich das Richtige getan. Nach seiner Freilassung aus dem Gef?ngnis hat aber f?r ihn ein neues Leben begonnen. Heute glaubt er mehr ans Verzeihen und daran, dass die sinnlose Kette der Gewalt aufh?ren muss ? und zwar von beiden Seiten gleicherma?en. N?chterne Worte eines heute 31j?hrigen Mannes ? ohne jede pathetische Bedeutung. Und als w?re es die nat?rlichste Sache der Welt, reichen Yarden und Sulaiman sich die Hand und l?cheln.
Ein L?cheln von dem man sp?rt welch gro?e Bedeutung es hat. Nichts Gestelltes ? kein Zeichen f?r die nicht anwesende Kamera. Keine Szene die sich f?r mich, den TV-Journalisten, morgen nachstellen l?sst. Einfach nur ein Zeichen zweier Menschen, die wissen was es hei?t Opfer bringen zu m?ssen und die auf dem Weg in eine schwierige Zukunft sind. Eine Zukunft in der es ohne den Glauben und ohne verzeihen zu k?nnen nicht geht. Ein Weg, der f?r beide schon vor vielen Jahren begann und heute, hier in Chile ? zu Beginn eines gro?en und sehr ungewissen Abenteuers, eine neue Richtung nehmen wird.

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15.9.05 18:07
 



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