herrnilson
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Linda

Linda

Nachhaltig, cremig und leicht nach Butter schmeckend sind nur ein paar Vorteile der 30-j?hrigen Linda, die in zwei Jahren endg?ltig aus unser aller Leben scheiden wird. Linda ist hei? begehrt und wird ebenso hei? gegessen. Linda ist der Deutschen beliebtestes Kartoffelkind. Schon jetzt trauern Tausende Kartoffelpuffers?chtige und Kartoffelbreiabh?ngige um ihre geliebte, schnittfeste und gleichzeitig weichkochende Linda, die unser aller Feierabend cremig und dampfend vers??t hat. Vorbei die Zeiten als unterm Tannenbaum Linda die W?rstchen erst so richtig schmackhaft machte und vorbei die guten Zeiten der Landwirte, die ihr ohnehin k?rgliches Dasein mit Linda vers??t bekommen haben. Auch am Marktstand flie?en schon die ersten Tr?nen. Wenn die Marktfrauen Trauer tragen ? treffender h?tte es der TV-Kollege nicht ausdr?cken k?nnen. Was ist passiert? Warum wird uns Linda verlassen? Die Firma Europlant hatte einst vor 30 Jahren Linda gez?chtet und Arten- bzw. Anbauschutz beantragt. Dieser Schutz l?uft nach 30 Jahren automatisch aus und die Bauern k?nnten ohne die daf?r ?bliche Zahlung (so was wie die Gema f?r Gr?nzeug) an das Unternehmen Europlant, Linda anbauen. Damit das nicht passiert, hat das Unternehmen kurz vor Ablauf der Frist, die Zulassung zur?ck gegeben. Was im deutschen Gesetzesdschungel bedeutet, dass Linda keine Zulassung mehr hat und damit nicht mehr angebaut werden darf! Nicht nur, dass Millionen Kartoffelk?fer sich neue Opfer suchen m?ssen ? nein, Chefk?che aus den besten H?usern der Republik steht der Supergau ins Haus, denn Linda war ein fester Bestandteil auf jeder Speisekarte. Passte sie doch zu jedem Essen und erfreute den hungrigen Gourmet mit leuchtend goldener Farbe und w?rzigem Duft aus der schrumpeligen Haut.
Sie werden jetzt sagen: ?Na dann lassen wir Linda eben wieder zu und bauen weiterhin an, wenn die halbe deutsche Bev?lkerung nun mal auf Linda steht.? Da muss ich Sie leider entt?uschen. Weder der Protest der K?ufer, noch die Not der Bauern erweicht das Herz der Firma Europlant oder der Artenzulassungsstelle. F?r Linda hat man l?ngst Ersatz, die umweltvertr?glicher angebaut werden k?nnen und die selben Qualit?ten aufweisen. Aber was bitte oder vielmehr wie bitte, baut man denn eine Kartoffel umweltvertr?glicher an??? Weniger Erde? Ist sie Trockenheitsresistent und verbraucht damit weniger Wasser? Vielleicht ist kein Gr?nzeug mehr an der Knolle, das vernichtet werden soll? Eine Frage die in der Lindaleeren Republik im luftleeren Raum stehen bleiben wird. ?Linda soll leben? fordert mittlerweile sogar ein F?rderverein der f?r die Zukunft Lindas k?mpft. Einen ersten Erfolg gibt es schon ? wenn auch ein kurzweiliger. Bis zum Sommer 2007 darf Linda noch mehr Gaumen verz?cken und sich unter den Kartoffelstampfer heimischer B?uerinnen werfen ? wenn sie vorher nicht verkocht wird. ?Verl?ngerung des Auslaufschutzes? oder so ?hnlich hei?t es im artengebeutelten Deutschland ? doch dann ist Schluss.
Linda wird dann ersetzt. Sieglinde und Gloria, Lindas Schwestern werden k?nftig alleine in ihren engen und dunklen Kisten lagern und darauf warten bis vielleicht eine ?Zsa Zsa? oder ?Nadja al? bei ihnen einziehen wird um wieder ein wenig Licht in den feuchten Kochtopf zu bringen.
Und f?r die Trauernden stellt sich wieder einmal die Frage, ob wir eigentlich im falschen Kartoffelbrei r?hren. Da gibt es doch tats?chlich wirtschaftliche Interessen eines einzigen Unternehmens, das ?ber die K?pfe des m?ndigen B?rgers und Essers bestimmt, ob ein Grundnahrungsmittel in dieser Form noch weiter angebaut werden darf oder nicht. Bauern bekommen jetzt schon Strafandrohungen im Falle eines Weiteranbaus ins Haus geschickt und und die Verantwortlichen im Falle ?T?tet Linda? grinsen gelangweilt aus ihren Kartoffelaugen in die Kamera und scheren sich einen Dreck um Linda, die in selbigem steckt. Darf man hier tats?chlich nicht mal mehr altehrw?rdige Kartoffeln anpflanzen und verspeisen weil es irgendwelchen Kartoffelnasen nicht mehr gef?llt ? und das hier im Land der Kartoffelfresser?! Ich w?nsche Linda jedenfalls ein weitaus l?ngeres Leben als den Politikern, die so etwas m?glich gemacht haben.
Mahlzeit.
15.9.05 16:51
 



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